Das Salto-Natale-Geheimnis und ein Jahrhundert-Musical
Zurück in die Zukunft. Rolf und Gregory Knie führen den Zirkus in eine neue Epoche. Und dank der modernen Technik wird auch die Retrospektive ein grandioses Spektakel.
Mit „Ohlala“, der ersten Erotik-Circus Europas, und dem Winterzirkus „Salto Natale“ haben Rolf und Gregory Knie zwei neue Zirkuskonzepte geschaffen – vier Wochen im Herbst, sechs Wochen während der Advents- und Weihnachtszeit. „Der neue Zirkus ist stationär und findet im Winterhalbjahr statt“, sagt Knie. Dabei orientiere er sich bewusst in eine andere Richtung als der Circus Knie. Dort hat sein Vater Fredy Knie ein perfekt funktionierendes Unternehmen hinterlassen: „Ich vergleiche meinen Vater gerne mit Picasso – beide waren ihrer Zeit voraus und lassen sich nicht übertreffen. Deshalb musste ich mit Gregory einen anderen Weg gehen.“ Rolf und Gregory Knie erklären ihr Zirkusrezept in zwölf Punkten.
1. Kostüme. Stella sei Dank! In unserer Schneiderin haben wir wohl die kreativste Person überhaupt. Die Knies sprechen von Stela Verebceanu aus Moldawien.
2. Bühne. Tänzer der Extraklasse sind der Schlüssel für die gute Show. Doch sie brauchen festen Boden unter den Füssen – also eine Bühne aus Holz statt einer Manege mit Sägemehl.
3. C‘est le ton qui fait la musique. Wir komponieren die Musik immer neu – stimmen sie auf die Show ab.
4. Band. Sie setzt sich aus Musikern des Pepe-Lienhard-Orchesters zusammen. Der Name bürgt für Qualität.
5. Inszenierung. Die Musiker müssen einen Teil der Show sein – mit Kostümen auftreten und ins Drehbuch integriert werden.
6. Choreograph. Er spielt eine Hauptrolle – was für eine Zirkusaufführung neu ist.
7. Licht. Mit technischen Hilfsmitteln lässt sich die Show in eine neue Dimension tragen. Unser Lichtdesigner ist der beste seines Fachs: Jacques Rouveyrollis aus Paris. Viele Zirkusunternehmen haben uns kopiert und technisch aufgerüstet. Das freut mich für ihr Publikum.
8. Bühnentechnik. Auch sie muss ständig weiterentwickelt werden.
9. Quereinsteiger. Die Qualität der Artisten steht über allem. Wir setzen bewusst auf Künstler, die noch nie in einem Zirkus gearbeitet haben.
10. Ambiente. Der Zirkusbesuch beginnt schon bei der telefonischen Ticketbestellung. Ein freundlicher, sympathischer Service schafft eine positive Stimmung. Im Foyer des Zirkus muss sich der Besucher sofort wohlfühlen – von der Atmosphäre eingenommen, überwältigt werden. Es ist quasi das Aufwärmen vor der Vorstellung. Dazu kommt der kulinarische Rundumservice, eine Bedienung, die den Gästen jeden Wunsch von den Augen abliest und Artisten, die sich nach der Show unter die Besucher mischen. Wir haben bei Ohlala und Salto Natale definitiv das beste und schönste Personal – vor allem das „Büroballett“ ist unübertrefflich.
11. Optischer Effekt. Im Zirkus darf sich das Auge nie langweilen – weder beim Betreten des Foyers noch während der Show. Jedes Detail muss überraschen und inspirieren.
12. Infrastruktur. Wir setzen stets auf neue Innovationen. Das Grand Chapiteau ohne Mast beispielsweise haben wir schon vor Jahren eingeführt - es garantiert jedem Besucher freie Sicht auf die Bühne.
Finanzielle Starthilfe erhielt Rolf Knie bei Salto Natale aus einer eher überraschenden Richtung – von Red-Bull-Gründer Dieter Mateschitz. Auf die Vermittlung seines langjährigen Geschäftspartners Fritz Kaiser konnte Knie sein Projekt beim Österreicher vorstellen. Obwohl er nur mit einer wagen Idee vor Mateschitz trat, fiel die Reaktion spontan und unkompliziert aus: „Wieviel Geld soll ich wohin schicken – und bis wann?“ fragte Mateschitz den verdutzten Schweizer – und regte gleich noch eine Sicherheitsmassnahme an: „Und wissen Sie was? Falls es nicht klappt – was ich aber nicht glaube – gründen wir eine Auffanggesellschaft.“
Als Salto Natale auf sicheren Füssen stand, zog sich Mateschitz stillschweigend zurück „Er wollte nie Werbung, und auf meine Frage, welche Gegenleistung er erwarte, sagte er nur: nichts. Ihr seid ein junges tolles Team – macht weiter so“, erzählt Knie – und ist vor allem vom strategischen Denken des Österreichers tief beeindruckt „Wenn du ihm eine halbe Stunde zuhörst, ist das mehr wert als vier Jahre an der Uni.“
Als künstlerische Orientierungshilfe diente Knie bei seinen neuen Projekten Guy Laliberté, der Gründer des Cirque du Soleil. „Er hat mir mit seinem Vorbild Mut gemacht, neue Wege zu gehen.“ Der Kanadier kam Ende 1970-er Jahre nach Europa – mit der Vision, einen eigenen Zirkus aufzubauen. Laliberté war Feuerschlucker und Strassenkünstler – ein junger, verrückter Typ mit langen Haaren. Seine alternative Erscheinung stiess in der eher konservativen Zirkuswelt auf wenig Begeisterung: „Beim Knie durfte man mit langen Haaren oder mit Bart nicht am Buffet oder beim Eingang stehen. Auch Jeans waren bei meinem Vater verpönt. Guy wurde von vielen Zirkusleuten belächelt“, erzählt Rolf Knie.
Trotzdem erhielt er beim Schweizer National-Circus Unterstützung – nicht materiell, aber durch Knowhow und Ratschläge. Beispielsweise half ihm der Zeltmeister Marcel Rossell bei der Konstruktion eines eigenen Zelts. Es war der Start zu einem spektakulären Aufstieg: Mit dem Cirque du Soleil machte Laliberté eine Weltkarriere. Heute ist er einer der reichsten kanadischen Unternehmer und steht auf Platz 261 der Liste der vermögendsten Menschen der Welt der Zeitschrift Forbes. Der Cirque du Soleil setzt pro Jahr über eine Milliarde Franken um und beschäftigt knapp 4000 Mitarbeiter, darunter 1300 Künstler aus mehr als 50 Ländern.
Trotzdem hat Laliberté nicht vergessen, wer am Anfang seiner Karriere stand. „Er weiss heute noch genau, welche Clown-Nummer ich wann gezeigt habe“, erzählt Rolf Knie, „aus der zufälligen Begegnung ist eine tiefe Freundschaft geworden.“
Als Knie Salto Natale lancierte, fragte er Laliberté, ob er mittmachen wolle? Der Kanadier sagte „Ja - aus Freundschaft“. Knie verkaufte ihm zehn Prozent der Aktien.
Heute möchte sich Rolf Knie bei Laliberté aufrichtig bedanken - im Namen aller Zirkusse und der Zirkuskunst: „ Nach meinem Umzug nach Mallorca verheimlichte ich anfänglich, dass ich vom Zirkus komme. Die Öffentlichkeit dachte, das sind Zigeuner, die Tiere misshandelten und mit Superlativen und leeren Versprechen um sich werfen. Durch Guy Laliberté und den Cirque du Soleil hat sich das verändert. Als er nach Spanien ging, erlebte die Zirkusbranche einen neuen Aufschwung. Und was er heute in Los Angeles und Las Vegas macht, erinnert mich an die Stellung des Zirkus in Europa in den 1920-er Jahren, als diese Form der Unterhaltung neue Massstäbe setzte. Rolf Knie ist noch heute beeindruckt: „Guy hatte eine Vision – und er lebte diese Vision. Er schaute stets nach vorne und orientierte sich nicht nach traditionellen Werten. Er ging immer seinen eigenen Weg - auch wenn er manchmal am Rande des Bankrotts stand.“
„Knie das Circus-Musical – die Geschichte einer Dynastie“
Visionen trieben auch Rolf Knie immer wieder an – nicht zuletzt im Hinblick auf das 100-Jahr-Jubiläum des Circus Knie. Der Universalkünstler entschied sich zu einem für die Schweiz neuartigen Projekt – einem Zirkus-Musical. In spektakulären Inszenierungen wird die Geschichte des Schweizer National-Circus von 1803 bis zur sechsten Generation mit musikalischer Soupless und zirzensischer Verspieltheit authentisch präsentiert: „So ein Musical hat die Schweiz noch nie gesehen“, sagt Rolf Knie, der als Produzent, Regisseur und Drehbuch-Autor alle Fäden in der Hand hält. In einer derart langen Familien-Geschichte habe es immer wieder grosse Emotionen gegeben sagt er – dass es der Circus dennoch über alle Höhen und Tiefen geschafft habe, sei eine grosse Leistung: „Deshalb will ich mit dem Musical der ganzen Familie ein Denkmal setzen“, sagt Knie.
In der aufwändigen Produktion, in der der Wandel der Zeit unter anderem an 230 verschiedenen Kostümen abzulesen ist, konnte er auf der Basis seines Winterzirkus aufbauen: „Das Musical ist sozusagen eine Weiterentwicklung von Salto Natale. Die grösste Herausforderung war, Tänzer, Artisten und Darsteller aufeinander abzustimmen“, sagt Knie. Die Hauptdarsteller sind die internationalen Musicalstars Alexander Klaus und Florian Schneider. Die Musik stammt aus der Feder des Bündner Sängers und Komponisten Patrick Scott, die Texte schrieb Peter Pfändler – und der Mann für die Spezialeffekte ist der französische Illusionist Dani Lary. „Eigens für unsere Show kreierte und produzierte Dani 16 neue Zaubertricks“, erzählt Knie. Dabei überwindet der Magier auch die Schwerkraft. Er lässt einen Konzertflügel durchs Chapiteau schweben und greift kopfüber in die Tasten.
Für Rolf Knie war die Entstehungsgesichte des Musicals auch eine Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit. Eine der zentralen Rollen im Stück ist seinem Vater Fredy Knie sen. gewidmet: „In der Neuzeit war er die wichtigste Persönlichkeit für den Circus.“ Der Blick in die wechselvolle Historie ist mit vielen Farben, beeindruckenden Bildern und grossen Tönen garniert. Das Circus-Musical zeigt den Circus Knie, wie er in seinen Blütejahren war – wie er hoffentlich noch in 100 Jahren sein wird: poetisch, magisch, musikalisch – zirzensisch fantastisch.

Knie - Das Circus Musical - 2019

KNIE - Das Circus Musical - Die Geschichte einer Dynastie

Die Geschichte der Dynastie Knie ist geprägt von Höhen und Tiefen — von grossen Errungenschaften und schweren Rückschlägen, romantischen Liebesgeschichten. Die Knies spiegeln die Zeitgeschichte — schon vor der Gründung des National-Circus 1919. Sie erlebten die Neuordnung Europas durch den Wiener Kongress 1815, machten Kriege und Wirren durch. Und werden vom Wirtschaftswunder des 20. Jahrhunderts wieder nach oben getragen.
Blut ist dicker als Wasser. Aber die familiäre Idylle ist oft getrübt. In keiner Generation sind immer alle gleicher Meinung. Trotzdem (oder deshalb) setzt der Schweizer Nationalcircus Massstäbe — vor allem was die (humane) Tierdressur betrifft. Seine Pferde- und Elefantennummern erlangen Weltruhm. In jeder Generation gibt es einen Vordenker und Lenker. Wer damit nicht leben kann, muss gehen. Regelmässig verlassen Familienmitglieder den Betrieb. Zentrale Figur Fredy Knie sen. 1920 - 2003 — der Patron der fünften Generation und Wegbereiter für den modernen Circus.

Salto Natale

Mit Ohlala und Salto Natale hat Rolf Knie zwei neue Zirkuskonzepte geschaffen - vier Wochen im Herbst , sechs Wochen während der Advents- und Weihnachtszeit. "Der moderne Zirkus ist stationär und findet im Winterhalbjahr statt" sagt Knie.
Dabei orientiert er sich bewusst in eine andere Richtung als der Circus Knie. Dort hat sein Vater Fredy Knie ein perfekt funktionierendes Unternehmen hinterlassen: "Ich vergleiche meinen Vater gerne mit Picasso - beide waren ihrer Zeit voraus und lassen sich nicht übertreffen.
Deshalb musste ich mit Gregory einen anderen Weg gehen."

Salto Natale

Salto - Ambiente

Ohlala

Mit Lust, Fantasie, Fingerspitzengefühl und Stil haben Gregory und Rolf Knie im 2011 zum ersten Mal
«Ohlala – SEXY – CRAZY – ARTISTIC» produziert. Selten hat die Ankündigung eines neuen Programms so viel Aufmerksamkeit erregt, wie «Ohlala – SEXY – CRAZY – ARTISTIC».Die 28 Artisten, Tänzer und Tänzerinnen, Komödianten und Musiker, die im September bei «Ohlala – Der Liebescircus» auf ihre Art aufregende und anregende Geschichten erzählen, kommen aus aller Welt nach Dübendorf. Erzählen von Liebe und Begehren, von Wahrheit und Betrügen, von Träumen, die man leben und von Geheimnissen, die man teilen kann. Und das Publikum kann all die wunderschönen Gefühle hautnah beobachten.

Ohlala